Vorgeschichte

In den Sossenheimer Kirchenbüchern tauchen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals die Berufsbezeichnungen „Tagelöhner und Fabrikarbeiter" auf, dies ist im Zusammenhang mit der Industrialisierung in Höchst zu sehen. Im damals zirka 700 Einwohner zählenden und zum Herzogtum Nassau gehörenden Dorf Sossenheim gründeten freiheitlich gesinnte Bürger im Revolutionsjahr 1848 einen „Deutschen Volksverein für Freiheit und Recht". Dem Verein wurde die heute noch erhaltene Sossenheimer Freiheitsfahne gestiftet. Auf der Vorderseite der seidenen Fahne war unter dem Vereinsnamen ein Kranz mit einem flammenden Herz und zwei Schwertern aufgemalt, während die Rückseite folgende Inschrift trägt:

 


Fahne

„Gewidmet von den Frauen und Jungfrauen des Vereins, Sossenheim, den 7. Oktober 1848"

und das Zitat:

„Wo Einigkeit herrscht und froher Sinn da glüht der Freiheit Immergrün"

 

Nachdem die Revolution gescheitert war, wurden auch die 1848 gegründeten Vereine verboten. Die Mitglieder des Sossenheimer Vereins wurden verhaftet und die Fahne verschwand. Die erste überregionale Organisation der deutschen Arbeiterbewegung in Deutschland entstand 1848 in Berlin, als der Schriftsteller Stephan Born während eines Kongresses, zu dem 35 Arbeiter-vereine bzw. –komitees aus ganz Deutschland Vertreter entsandt hatten, die „Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung" ins Leben rief. In der Folgezeit gründeten sich in vielen deutschen Industriestädten Arbeiterbildungs- und Unterstützungsvereine die man als Urzelle der Sozialdemokratie bezeichnen kann. Zur gleichen Zeit wurden in Sossenheim die ersten Ziegeleien gegründet. Dieses Gewerbe nahm einen, bedingt durch Lehmvorkommen in der Gemarkung und die Industrialisierung in den benachbarten Städten einen raschen Aufschwung, was einen Zuzug von Arbeitern aus ganz Deutschland zur Folge hatte. Dazu kam noch eine große Anzahl von Saisonarbeitern. Ein anderes, heute ausgestorbenes Gewerbe war die Hasenhaarschneiderei, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Sossenheim heimisch wurde. Dieses ungesunde Gewerbe wurde überwiegend von Einheimischen in Heimarbeit betrieben. Lederhändler aus Frankfurt versorgten die Hasenhaarschneider mit Fellen und kauften ihnen die zur Filzherstellung benötigten Haare wieder ab. Als Lagerhaus für diese Zwecke wurde um 1860 das heute „Alte Schule" (Riedstraße, Ecke Alt-Sossenheim) genannte Gebäude von einem Frankfurter Lederhändler errichtet. Nach dessen Pleite und einer kurzzeitigen Nutzung als Gasthaus „Europäischer Hof" wurde dieses Gebäude von der Gemeinde erworben und 1881 zur Schule umgebaut.
Einen Neubeginn für die deutsche Arbeiterbewegung gab es am 23. Mai 1863, als Ferdinand Lassale (1825-1864) in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) gründete. Dieser Tag gilt als der Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie.

 

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Roger Podstatny

SPD im Römer

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