1933 - 1945

Verfolgung, Exil und Widerstand

Nachdem die Nationalsozialisten unter Hitler am 30. Januar 1933 die Macht übernommen hatten und der Reichstag am 23. März das „Ermächtigungsgesetz" mit den Stimmen aller Parteien, gegen die der 93 anwesenden Sozialdemokraten zugestimmt hatten war der Willkür Tür und Tor geöffnet. Nachdem schon am 2. Mai 1933 die Arbeitervereine verboten und enteignet wurden. verbot der Nationalsozialistische Innenminister Frick am 22.Juni 1933 der SPD jede weitere Betätigung. Wenige Tage später wurden im Frankfurter Westen alle führenden Sozialdemokraten in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet.. Man trieb sie unter unwürdigsten Bedingungen in die Höchster Kaserne wo sie von SA Leuten aufs Übelste mißhandelt wurden.Für die Sozialdemokraten folgten 12 Jahre schwerster Verfolgung, die für viele mit Tod und Krüppeldasein endeten, aber auch zugleich Jahre der Bewährung und Neubesinnung im Untergrundkampf gegen die Nazidiktatur. Auch mehrere Sossenheimer kamen im Naziterror um.
Namentlich sind bekannt:
Hans Kestler, geboren am 28.5. 1900 in Sossenheim wurde am 19.2.1933 von der SA erschossen.
Johann Weber, geb. am 29.12.1893 in Sossenheim, starb am 25.4.1944 im KZ Dachau.
Josef Weinreiter, geb. am 26.4.1899 in Höchst, starb am 1.12.1937 im KZ Buchenwald.
Alle drei gehörten der KPD an. Wegen der sehr lückenhaften Quellenlage kann man davon ausgehen, das wesentlich mehr Sossenheimer Bürger, egal von welcher Partei durch den Naziterror umkamen.
Ein Teil der Parteimitglieder geht in den Widerstand, während andere ins Exil gehen.
Sinnbild für den Widerstand aus den Reihen der Sozialdemokraten sind Männer wie Kurt Schumacher, Wilhelm Leuschner und Julius Leber. Schumacher; der bereits im Juli 1933 verhaftet wird, tritt einen zehn Jahre währenden Leidensweg durch Gefängnisse und Konzentrationslager an. Leuschner und Leber gehören zu den die nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20- Juli1944 dem Henker zum Opfer fallen Julius Leber; kurz vor seiner Hinrichtung am 5. Januar 1945 in Plötzensee: „Für eine gute und gerechte Sache ist der Einsatz des Lebens der angemessene Preis" Hunderttausende ,Namenlose" leisten Widerstand, werden verfolgt, verhaftet, ermordet Junge und Alte, Frauen und Männer; die in den „Schutzhaftlagern" der SA gemeinsam, mit den zu. „Untermenschen" erklärten Juden eingesperrt werden. Hitlers Ziele heißen Aufrüstung und Krieg, Eroberung, Unterwerfung, Völkermord. Die Rüstungsausgaben Deutschlands steigen in den Jahren zwischen 1932 und 1937 von 2 auf 32 Prozent des Volkseinkommens. Schwerindustrie und Großfinanz arbeiten mit den Nationalsozialisten zusammen.
Der Exilvorstand der SPD in Prag „SOPADE" hatte wenig mehr als das Mittel des Wortes und der Schrift, sich den Kriegsvorbereitungen entgegenzustemmen. Der Aufruf an die ,,zivilisierte Welt", Hitler zu stoppen, solange es noch Zeit ist, findet kein Gehör Die Warnungen der Sozialdemokratie werden von den europäischen Großstaaten eher als unbequeme Störung ihrer Politik empfunden. Der revolutionäre Geist, der den Vorstellungen der Exil-SPD zugrunde liegt, kommt am stärksten im „Prager Manifest" zum Ausdruck, das im Januar 1934 verabschiedet wird: „wir wollen nicht leben ohne Freiheit, und wir werden sie erobern. Freiheit ohne Klassenherrschaft, Freiheit bis zur völligen Aufhebung aller Ausbeutung und aller Herrschaft von Menschen über Menschen". Indes: der Leidensweg des Exils ist noch lange nicht zu Ende. Die SOPADE sucht Zuflucht in Paris, aber in Frankreich werden die Flüchtlinge erneut vom Krieg und den Nazis eingeholt. Spanien, Portugal, Amerika, England heißen die Stationen für jene, die entkommen können. Hans Vogel, nach dem Tode von Otto Wels der letzte vor 1933 gewählte SPD-Vorsitzende, führt in London gemeinsam mit Erich Ollenhauer einen Zusammenschluß deutscher sozialistischer Exilgruppen herbei, der im März 1941 nach längeren Verhandlungen zustande kommt. WiIly Brandt, der mit anderen Sozialisten nach Skandinavien emigriert war; erklärt vor Gesinnungsgenossen in Stockholm: ,,Haß bildet keine haltbare Friedensgrundlage. Die Nachkriegspolitik darf nicht von Rache beherrscht werden, sondern muß vom Willen zum gemeinsamen Wiederaufbau getragen sein".

 

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Roger Podstatny

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