Gründung

Der erste Arbeiterverein in Sossenheim

Im gleichen Jahr gründeten Meister Lucius & Müller im benachbarten Nassauischen Amtsstädtchen Höchst eine Anilinfabrik (aus ihr ging die 1998 von gewissenlosen Managern zerschlagene HOECHST AG hervor), die auf Grund ihrer hervorragenden Produkte einen raschen Aufschwung nahm und 20 Jahre später schon 1000 Beschäftigte hatte. Dadurch gab es in der Folge einen bedeutenden Zuzug von Arbeitern nach Sossenheim 1866 wurde das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert. Mit den Preußen kam ein effektives polizeiliches Überwachungssystem, dadurch ist vieles aus der Frühzeit der Sozialdemokratie in den Archiven vorhanden. Am 20.Juni 1869 wurde im Höchster Gasthof „Zum Landsberg" eine Ortsgruppe des ADAV gegründet. Vermutlich gab es obwohl aus den Polizeiakten nichts hervorgeht, um diese Zeit schon eine bedeutende Anhängerschaft des ADAV in Sossenheim Außerdem zeigte Peter Mook (der Name wird uns noch mehr begegnen) im Jahr 1870 dem Königlichen Verwaltungsamt zu Höchst, seine Wahl zum Vorsitzenden der 1867 gegründeten „Allgemeinen Männerkrankenkasse" an . Solche Hilfs- oder Unterstützungskassen waren im Revolutionsjahr 1848 von Arbeitern in vielen Orten des Herzogtums Nassau gegründet, aber in der Reaktionszeit wieder verboten worden. Der Vorgang zeigt, das sich die Sossenheimer Arbeiter in der oben genannten Krankenkasse organisiert hatten. Somit sind dies erste Spuren einer organisierten Arbeiterbewegung in Sossenheim. Nach dem Deutsch- Französischen Krieg 1870-71 und der Gründung des Deutschen Reiches nahm die Verarmung der Massen zu, was sich in der Zunahme der Mitgliederzahlen der Arbeitervereine dokumentierte. Am 27.September 1872 fanden in Höchst und Sossenheim Arbeiterversammlungen statt. Von diesen Versammlungen sind aus einem Bericht des Bürgermeisters Georg Raimund Kinkel an den „Königlichen Amtmann" die Namen der Sossenheimer Redner bekannt. Dieser leitete den Bericht erweitert mit den Höchster Teilnehmern an den Frankfurter Polizeipräsidenten weiter . Es waren dies, in Höchst Ferdinand Kirchner, Philipp Weber, Barth, sowie Zollinger aus Frankfurt. In Sossenheim wörtlich: 1.Friedrich Lenhard aus Langen wohnhaft in Sossenheim, arbeitet in Frankfurt, 2. Fleß aus Frankfurt, 3. Müller von Offenbach, 4. Jacob Fay, 5. Siegbert Fay, 6. Peter Mook. Aus dem Bericht den der „Berittene Gendarm" Heißner dem Schreiben hinzufügte wird noch der Sossenheimer Caspar Klein als Schriftführer der Versammlung, die im Frankfurter Hof stattfand, genannt. Dies zeigt wie umfassend die Überwachung der Arbeiterbewegung im noch jungen Deutschen „Kaiserreich" war. Im Jahre 1873 hielt der in Unterliederbach wohnhafte Schuhmachergeselle Wilhelm Knocke „Volksversammlungen" im Sossenheimer Gasthaus „Zur Rose" ab. Über die Teilnehmer der Versammlungen ist in den Archiven nichts zu finden. (als die Angelegenheit bekannt wurde, wurde Knocke von seinem Arbeitgeber, dem Schuhmachermeister Wagner entlassen, er zog später nach Frankfurt vertrieb Sozialdemokratische Schriften und wanderte 1882 in der Zeit des Soziallistengesetzes nach Amerika aus). Aus dem Protokoll der 12.Generalversammlung des ADAV, die von 18.-24.Mai in Frankfurt am Main stattfand, geht hervor, das die 25! Sossenheimer Parteimitglieder durch Georg Müller aus Bockenheim Dies ist der früheste, sichere Beweis einer organisierten Parteiarbeit einer ADAV Gemeinde in Sossenheim. Auf der 13 Generalversammlung des ADAV der vom 26.5- 5.6. 1874 in Hannover stattfand wurde Sossenheim durch den späteren Reichstagsabgeordneten Karl Frohme (1850-1933) aus Bockenheim vertreten.. Auf dem Vereinigungskongreß der vom 22.-27.5.1875 in Gotha stattfand, schlossen sich die 1869 von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach gegründete Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei (SDAP) und der ADAV zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) zusammen. Die Sossenheimer Gemeinde des ADAV deren Mitgliederzahl mit zehn angegeben war, wurde auf diesem Kongreß durch Heinrich Pilster aus Höchst vertreten. Trotz Schikanen der Behörden und des Verbots der Partei in Preußen stiegen die Mitgliederzahl und der politische Einfluß bei den Arbeitern rasch an. Bei der Reichstagswahl 1877 erhält die Sozialistische Arbeiterpartei 9,1 Prozent der Stimmen und 12 Reichstagssitze. Bei den Reichstagswahlen galt im Unterschied zu Preußen das allgemeine gleiche Wahlrecht für Männer über 25 Jahren. Am 10. September 1876 fand in Sossenheim ein besonderes Ereignis statt, was den damaligen Sossenheimer Bürgermeister Georg Raimund Kinkel zu folgendem Bericht an den Königlichen Amtmann veranlaßte. Im Wortlaut: Sossenheim den 12. September 1876. Volksfest in Sossenheim betrifft. Königlichen Amte zu Höchst wird in nebengenannten Betreff gehorsamst berichten. Am 10. des Monats wurde dahier ein Volksfest bei dem Gastwirt Keller abgehalten. Es wurde eine Fahne welche im Jahr 1848 von den Frauen und Jungfrauen, den Bürgern der hiesigen Gemeinde gewidmet welche Seitens der ledigen Margarethe Lacalli dann dem Jacob Fay dahier übergeben worden. Die Fahne war Zeit ihres Daseins von 1848 in den Händen des Gastwirts Fay welcher zuletzt in Rödelheim gewohnt und daselbst auch verstorben ist. Von einem Einwohner in Rödelheim zuletzt ist die Fahne von dem Karl Klein dahier für die Summe von 18 Gulden (ca. 25 Mark) überreicht worden. Letzterer ist Hauptsozialdemokrat und soll diese Fahne seinen Parteigenossen zum Geschenk gemacht haben. Der Schneider Peter Mook dahier hat dann die Feierlichkeiten eröffnet und geleitet. Nach der Übergabe der Fahne hat Peter Mook dann in einer kurzen Rede dem Karl Klein für seine Bereitwilligkeit im Sinne seiner Parteigenossen seinen Dank ausgesprochen. Hiernach wurden von dem Gesangverein „Concordia" dahier und vom Gesangverein „Bruderkette" von Bockenheim einige Lieder gesungen. Nach diesem hielt der Carl Frohme aus Frankfurt dermalen in Bockenheim wohnhaft die Festrede. Er hat in jener namentlich hervorgerufen wie im Jahre 1848 durch die Revolution mit Waffen erringt werden sollen, dem sei nicht am Platze, man müsse diese Freiheit des Volkes nur auf gesetzlichem Wege suchen zu erringen Er sprach weiter man strafe die Sozialdemokraten wärenddem sie nichts Unrechtes verlangten. Zum Schlusse redete dann noch der Carl Lamsbach von hier, er sprach wie Christus, seine Apostel und Anhänger schon vor 1800Jahren verfolgt worden seien und jeder Christ sei damals schon für ein Rebell gehalten worden. Gesetzwidrige Ausdrücke habe ich in den Reden nicht vernommen. Kinkel, Bürgermeister Es war die Fahne von 1848, die hier neu geweiht wurde. Die Feier fand im Gasthaus „Europäischen Hof", der heutigen „Alten Schule" statt In der Gemeindeversmmlung am 29.10.1876, bei der 127 von 147 wahlberechtigten Gemeinde-bürgern teilnahmen, wurde erstmals mit der Wahl des Schuhmachers Anton Wagner in die Einschätzungskomission für die Klassensteuer, ein Sozialdemokrat in ein öffentliches Amt der Gemeinde gewählt. Anton Wagner starb kurze Zeit später, wie der folgende Bericht aus dem Jahr 1878 zeigt in dem nur noch seine Witwe erwähnt wird. Wahlberechtigt waren nur „Gemeindebürger". Um das Bürgerrecht zu erwerben mußte ein Bürgersohn 9 Mark Bürgergeld bezahlen, während es für einen „Auswärtigen" 27 Mark kostete, mußte ein Ausländer (schon Kelsterbach war Ausland, es gehörte zum Großherzogtum Hessen) 54 Mark bezahlen mußte. Ehepaare zahlten das Doppelte. Zum Vergleich das Jahresgehalt eines Junglehrers betrug zu dieser Zeit ca. 600.- Mark. Im Oktober 1878 hatte Bismarck sein Ziel erreicht und der Reichstag beschloß unter den Eindruck von zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I., deren Urheberschaft man den Sozialdemokraten in die Schuhe schob, das Sozialistengesetz. Im Vorfeld mußte der neugewählte Bürgermeister Johann Klohmann, dem Königlichen Amtmann in Höchst die Namen der im bekannten Sossenheimer Sozialdemokraten mitteilen. In diesem Bericht datiert vom 8.6.1878 sind folgende Namen, teilweise mit Berufsbezeichnung aufgeführt. 1. Peter Mook, Schneider – 2. Karl Klein, Fabrikarbeiter- 3. Josef Fischer, Zigarrenmacher – 4. Josef Heres, Fabrikarbeiter – Johann Hähnlein, Schneider – J. Becker, Schneider - Jacob Fay III Tagelöhner – 8. Caspar Vonhof, Dienstmann - 9. Anton Wagner, Witwe – 10. Franz Rieb – 11. Franz Fay IIII – 12. Wilhelm Heinrich Fay, Lackierer. Ferner geht aus diesem Bericht hervor, das der Dienstmann Caspar Vonhof die Parteizeitung für seine Genossen besorgte. Der Bezug der Zeitung durch die Post wurde nämlich polizeilich überwacht. Trotz des Sozialistengesetzes ging die Parteiarbeit in Sossenheim weiter. Da die Gastwirtschaften den Sozialdemokraten nicht mehr für Versammlungen zur Verfügung standen, trafen sie sich in den Häusern ihrer Mitglieder. Hauptsächlich war das Haus des Hasenhaarschneiders Konrad Fay VI.. Es hatte im Volksmund den Namen „Rotes Hähnchen". Heute steht an der Stelle die Westerbachapotheke. Im Jahre 1881 gründete sich in Sossenheim ein Bürgerverein, in dem sich Katholiken und Sozialdemokraten organisierten. In den Zeiten des „Kulturkampfes" von 1872-1887 wurden auch die Katholiken verfolgt oder zumindest in ihrer Religionsausübung massiv behindert. Diese Verbindung sollte keinen langen Bestand haben wie der folgende Bericht zeigt. Peter Mook, der erste Sozialdemokrat im Sossenheimer Gemeinderat. Im Institut für Stadtgeschichte, dem ehemaligen Stadtarchiv der Stadt Frankfurt am Main befinden sich die Akten der bis 1928 selbständigen Gemeinde Sossenheim. In einem Auszug aus den Akten „Wahlen zum Gemeinderat und Bürgerausschuß,1884-97" finden wir Spuren sozialdemokratische Aktivitäten Zum besseren Verständnis der damaligen Vorgänge einige Erklärungen. Die ehemals Kurmainzische, dann Nassauische Gemeinde Sossenheim lag seit 1866 in der preußischen Provinz Hessen- Nassau und gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Kreisstadt des Mainkreises z u dem Sossenheim gehörte, war bis 1886 Wiesbaden. Im Königreich Preußen galt das Dreiklassenwahlrecht. Außerdem galt seit dem 21. Oktober 1878 im Deutschen Reich „Das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" (Sozialistengesetz). Wahlberechtigt waren in Sossenheim nach einer Aufstellung vom 3.November 1885 bei einer Einwohnerzahl von zirka 1800 Personen, nur 131 Bürger geteilt in 3 Klassen die je drei Gemeinderäte stellten. Die Einstufung richtete sich nach der Höhe des jeweiligen Steueraufkommens. Wählen durften nur Männer. In der 1. Klasse wahlberechtigte Bürger waren jene die zwischen 66,14 und 158,76 M Steuern zahlten, das waren insgesamt 11. In der 2. Klasse gab es 26 wahlberechtigte Bürger, die zwischen 28,55 und 65,40 M Steuern zahlten und in der 3. Klasse insgesamt 94 wahlberechtigte Bürger die zwischen 2,92 und 27,99 M Steuern zahlten. Insgesamt betrug das Steueraufkommen der Wahlberechtigten Bürger in Sossenheim 3407,01 M . Die Summe wurde durch drei geteilt. Die 11 Stimmen der 1.Klasse hatten den gleichen Wert hatten wie die 26 Stimmen der 2.Klasse und den 94 Stimmen der 3. Klasse. Bei den Sossenheimer Gemeinderatswahlen am 15. Dezember 1884 für die Jahre 1885-87 in der III. Klasse, bei der 70 der 92 Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben. In den Gemeinderat gewählt wurden die drei Kandidaten des 1881 gegründeten Bürgervereins, der Landwirt Konrad Mohr mit 59, der Schuhmacher Johann Hescher mit 61 und der Schneidermeister Peter Mook mit 54 Stimmen. Während die beiden Erstgenannten bereits dem alten Gemeinderat angehört hatten, wurde der 57 jährige Peter Mook erstmals gewählt. Am 18. Dezember 1884 berichtete der damalige Sossenheimer Bürgermeister Johann Klohmann an den „Königlichen Amtmann" zu Höchst über die Gewählten: „Qualifikationen für schriftliche Arbeiten besitzen alle drei nicht.- Gemeinnützigen Arbeiten haben sie sich stets entzogen.- Letzterer (Peter Mook) kann kaum mehr als seinen Namen schreiben.- Mook ist Sozialdemokrat und Agitator, sein Ruf ist allbekannt. Er erhält wie ich vermute, jedenfalls Unterstützung von dieser Partei." Am 22. Dezember 1884 folgte ein zweiter Bericht: Bitte dem Königlichen Amtmann gehorsamst zu berichten: Peter Mook wurde 1862 wegen Ehrenkränkung mit 5 Tagen Arrest bestraft. Die Mohr und Hescher sind nicht bestraft. Nach §5 Abs.2 der Wahlordnung sind alle drei wahlberechtigt und wählbar. Der Königliche Amtmann Habel berichtete dies am 23. Dezember 1884 dem „Königlichen Landrat" Graf Matuschka nach Wiesbaden.: Die III. Abteilung der Wähler in Sossenheim hat leider den bekannten Sozialdemokraten Peter Mook in den Gemeinderat gewählt. Gesetzlich (§51 der Gemeinde- Wahlordnung) ist derselbe wählbar. Einsprüche gegen das Wahlverfahren sind aus der Gemeinde nicht erhoben worden, vorläufig habe ich den Mook zur Verpflichtung nicht vorgeladen. Denn es widerstrebt mir einen ausgesprochenen Sozialdemokraten in den Gemeinderat gerade in Sossenheim zuzulassen. Ich glaube vielmehr euer Hochwohlgeboren zunächst diese Mitteilung machen zu müssen. Strafen hat Mook bisher nicht erlitten, auch ist gegen seine Führung nichts Nachteiliges bekannt, wohl aber steht er allgemein in dem Rufe eines der tätigsten Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei zu sein, der namentlich auch bei Wahlen die größte Tätigkeit für dieselbe entwickelt. Ob dem Königlichen Regierungspräsidenten, anfragende Vorlage zu machen sein dürfte, glaube ich euer Hochwohlgeboren Ermessen überlassen zu müssen. Der Kgl. Landrat Matuschka leitete das Schreiben am 26. Dezember 1884 an die „Königliche Regierung Abteilung des Innern", an den „Königlichen Regierungspräsidenten" in Wiesbaden weiter. In seiner Antwort vom 10. Januar 1885 sah der Kgl. Regierungsräsident Lothar von Wurmb die Gesetzeslage anders und wies den Kgl. Landrat, gemäß §7 der Nassauischen Gemeindeordnung an, den „ordnungsgemäß gewählten" Gemeinderat Peter Mook zu vereidigen bzw. den Kgl. Amtmann damit zu beauftragen. Damit war die Angelegenheit fürs erste erledigt und der erste Sozialdemokrat saß im Sossenheimer Gemeindeparlament, wo er einem Zeitungsbericht „Kleine Presse" vom 11. Dezember 1887) zufolge, gemeinsam mit seinen Kollegen zur Zufriedenheit der meisten Sossenheimer, zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bürger wirkte. Sossenheim hatte im Jahre 1885 zirka 1800 Einwohner, davon waren 35% Landwirte (vorwiegend Kleinstlandwirte), 5% Handwerker und 60% Fabrikarbeiter. Von den Arbeitern, die in der Regel kein Wahlrecht hatten, weil sie ein zu geringes Einkommen hatten und deshalb keine Steuern zahlten, waren die meisten in Höchster Fabriken sowie in den am Ort ansässigen Feldbacksteinfabriken beschäftigt. Die Bevölkerung hatte in 10 Jahren zwischen 1875 und 1885 um 39% zugenommen. Dazu kam noch eine große Anzahl Wanderarbeiter die jedes Jahr im Sommer ebenfalls in den Backsteinfabriken arbeiteten (Russenbrenner) Durch eine Kreisreform wurde Höchst mit Wirkung vom 1. April 1886 Kreisstadt des gleichna-migen Kreises. Zum „Königlichen Landrat" wurde Freiherr August von Trott zu Solz ernannt. Am 16. Dezember 1886 wird über den Kreis Höchst und angrenzende Gebiete der „kleine Belagerungszustand" verhängt. Dadurch wurde unter anderem die Ausweisung von unliebsamen Personen, zum Beispiel. Sozialdemokraten möglich. Auf dieser Rechtsgrundlage wurden im September 1887 wurden bei Peter Mook Sozialdemokratische Druckschriften beschlagnahmt, weil ihr Besitz ein Verstoß gegen die Sozialistengesetze aus dem Jahre 1878 darstellte wurde beim Kgl. Landgericht in Wiesbaden Anklage erhoben. Der erste Staatsanwalt übernahm die Ermittlungen. Der Kgl. Landrates vom ließ Peter Mook am 19. Oktober 1887 folgende Mitteilung zukommen: Herrn Peter Mook zu Sossenheim Nachdem gegen Sie das gerichtliche Strafverfahren wegen Verbreitung verbotener Druckschriften eingeleitet worden ist, verfüge ich hiermit auf Grund §50 des Gesetzes betreff die Dienstvergehen der nicht richterlichen Beamten vom 2 Juli 1852 bzw. der Verordnung vom 23. September 1867 in Verbindung mit §36.4 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 Ihre Submission vom Amt als Gemeindevorsteher der Gemeinde Sossenheim, mit der Wirkung das Sie sich bis auf Weiteres aller mit diesem Amt verbundenen Obliegenheiten zu enthalten haben. Trotzdem kandidierte Peter Mook bei der Gemeinderatswahl der 3 Klasse am 7. Dezember 1887 erneut. Von den 98 wahlberechtigten Gemeindebürgern gaben 74 ihre Stimme ab. Die bisherigen Gemeinderäte wurden im Amt bestätigt. Sie erhielten im einzeln Johann Hescher 63-, Konrad Mohr 63-, und Peter Mook 54 Stimmen. Da das Ermittlungsverfahren des Staatsanwalts gegen Peter Mook noch nicht abgeschlossen war konnte dieser nicht vereidigt werden. Deshalb forderte ihn der Landrat hatte in zum Rücktritt von der Kandidatur auf, ein Ansinnen, das Peter Mook aber zurückwies. Ende Februar 1888 teilte der Staatsanwalt dem Landrat die Einstellung des Ermittlungsverfahrens mit. Es war keine Anklage gegen P. Mook erhoben worden. Somit war der Grund, mangels Beweisen, für seine Suspendierung vom Amt des Gemeinderats hinfällig. Auch stand einer Vereidigung des wiedergewählten nichts mehr im Wege. Trotzdem fordert der Landrat in einem Schreiben an den Regierungspräsidenten vom 12.04.1888, die Ausweisung des „Sozialdemokratischen Agitators" Peter Mook. Aus diesem Brief ist uns die Biographie und die Lebensverhältnisse des Sossenheimer Sozialdemokraten bekannt: Der Schneider Peter Mook ist am 25.01.1827 zu Sossenheim im diesseitigen Kreis geboren, er hat eine Größe von etwa 1,6 Meter, ist katholisch, hat dünne graue Haare, schmale Stirn, blaue Augen, graue Augenbraue, spitze Nase, grauen Schnurrbart, schmalen Mund, defekte Zähne, spitzes Kinn, schmale Gesichtsbildung, kleine schmächtige Statur .Peter Mook betreibt das Schneidergewerbe und besitzt in Sossenheim ein Häuschen und 19,71 Ar Ackerland, welches er nicht selbst bewirt-schaftet, sondern von anderen bestellen läßt. Es lasten auf seinem Grundeigentum 1894,29Mark Hypothekenschulden. Er ist verheiratet, mit der am 26.08.1828 geborenen Susanna Moos und hat 7 Kinder, in dem Alter von 32 bis 17 Jahren. Die Kinder sind sämtlich versorgt und erhalten keine Unterstützungen von den Eltern. 2 Söhne und 2 Töchter sind verheiratet, 1 lediger Sohn, geboren am 22.10.1862, lebt in der Haushaltung der Eltern. Der jüngste Sohn ist Lehrling in einer Eisengießerei. Mook ist eifriger Anhänger der sozialdemokratischen Partei, steht an der Spitze seiner in Sossenheim zahlreich vertretenen Gesinnungsgenossen. Er hält den Verkehr mit der Parteiorganisation in Frankfurt, wohin sein Gewerbe regelmäßig führte usw. Dazu begründete der Landrat seinen Antrag auf Ausweisung des Unliebsamen in dem mit vielen Anschuldigungen gespickten Schreiben. In dem Antwortschreiben des Regierungspräsidenten lehnte dieser den Antrag mit der Bitte auf nochmalige Prüfung des Sachverhaltes ab, und drängt auf die Vereidigung des gewählten Peter Mook. Unter anderem begründet er dies mit folgender Passage: „als es immerhin zweifelhaft bleibt, ob das politische Treiben des Peter Mook in der Tat so beschaffen ist, um von ihm eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung befürchten zu müssen". Der Landrat schickte mit Datum vom 9.6.1888 eine nochmalige die Ausweisung betreffende Begründung nach Wiesbaden, die der Regierungspräsident wiederum abschlägig beschied. Nach mehrmaligen Briefwechsel ordnete der Regierungspräsident am 25 August 1888 den sofortigen Vollzug der Vereidigung des gewählten Gemeinderates Peter Mook an. Endlich am 12. September 1888 fand die Vereidigung desselben im Landratsamt in Höchst statt. Zwei Jahre später, am 1. September 1890 wurde das Sozialistengesetz im Deutschen Reich außer Kraft gesetzt, damit entfiel das Verbot politischer Betätigung für Sozialdemokraten. Peter Mook konnte die Möglichkeiten freier politischer Betätigung nur noch kurze nutzen. Er starb am 27. Februar 1891, im Alter von 64 Jahren, ein Mann der, wie die Akten zeigen, viele Demütigungen in seiner politischen Tätigkeit hinnehmen mußte. Trotzdem ließ er sich von alledem nicht abschrecken und arbeitete bis zu seinem Tode zum Wohle seiner Mitbürger. Peter Mook wohnte in der heutigen Siegener Straße 10/Ecke Am Kreuz. Er war so läßt sich vermuten, weil in dieser Zeit üblich, als selbständiger Schneider in Heimarbeit für Frankfurter Privatleute und Bekleidungshäuser tätig. Die im Schreiben des Bürgermeisters erwähnte Strafe ist vermutlich eine Folge des Fahnenstreits von 1862 beim Gesangverein Concordia 1858 dessen Mitgründer Mook war. Zum Nachfolger Mooks im Gemeinderat wurde der Maurer Lorenz Welzenheimer gewählt. Die Geschichte, zeigt welche sozialen Gegensätze in einer ehemals bäuerlich geprägten Gemeinde wie Sossenheim an der Schwelle zum Industriezeitalter aufkamen. Da das Drei-Klassen-Wahlrecht in Preußen weiterhin bestand, gingen mehrere Jahre ins Land bis wieder ein Sozialdemokrat ins Sossenheimer Gemeindeparlament gewählt wurde. Drei der Söhne von Peter Mook waren in den Folgejahren auch für die SPD tätig. Der älteste Sohn Michael Mook 1858 geboren, erlernte ebenfalls das Schneiderhandwerk, zog später nach Rödelheim und wurde dort Stadtverordneter. Die Söhne Christian - 1860-1913 und Peter Anton Mook 1868-1827 waren bis zu ihrem Tod lange Jahre Gemeindevertreter in Sossenheim.

 

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