Prekäre Beschäftigung und was man dagegen tun kann

Veröffentlicht am 28.10.2008 in Presse

Peter Donath vom IG Metall Vorstand forderte: „Normalarbeitsverhältnisse sind wieder zu stärken. Mini-Jobs gehörten eingeschränkt, die Leiharbeit muss wieder auf Ausnahmetatbestände zurückgeführt werden. Außerdem muss bei Leiharbeit der Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit durchgesetzt werden. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist absolut überfällig. Laut OECD ist Deutschland das Land, in dem sich die Einkommen am dramatischsten auseinander entwickeln. Kein vergleichbares Land lebt ohne Lohnuntergrenze, so wie wir es noch in Deutschland haben. Dumpinglöhne verstoßen gegen die Menschenwürde und gehören verboten.“

Leiharbeit, Mini-Jobs und Niedriglöhne greifen immer mehr um in der Arbeitswelt. Darauf wies Peter Donath vom IG Metall Vorstand am Montag, dem 27.10.2008 in der gut besuchten öffentlichen Mitgliederversammlung der SPD-Sossenheim hin. Stundenlöhne von weniger als 5 Euro die Stunde seien heute keine Ausnahme mehr. Insbesondere im Dienstleistungssektor, mit einem schwachen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, sind es mittlerweile Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die trotz Arbeit arm wären.

Eine weitere Form von prekärer Beschäftigung seien die 400 Euro-Jobs. Mittlerweile gibt es hier 7 Millionen solcher Arbeitsverhältnisse, die auch durch Zerstückelung ehemaliger Vollzeitarbeitsplätze entstanden sind. Im Einzelhandel, so Donath, ist jede dritte Arbeitsstelle nur ein Mini-Job. "Hier werden dann Tarifverträge nicht angewendet, Urlaubs- und Kündigungsschutzbestimmungen ausgehebelt und außerdem die Sozialkassen geschädigt", beschrieb der Gewerkschafter die Situation.

Ein besonderes Problem sieht er auch in der Leiharbeit. Diese Form von Beschäftigung sei ursprünglich zur Überbrückung besonderer Situationen, wie vorübergehende erhöhte Aufträge oder Krankenvertretungen, vielleicht sinnvoll gewesen, heute würden damit zunehmend Normal-Arbeitsplätze in unsichere Arbeitsverhältnisse umgewandelt. Leiharbeit habe sich gerade nicht zu einem Instrument der Integration in den Arbeitsmarkt erwiesen, sondern grenze aus. So verdienen Leiharbeitnehmer bis zu 50 % weniger als Stammbeschäftigte und sind durchschnittlich nach weniger als sechs Monaten wieder arbeitslos.

In der anschließenden Diskussion erhielt der Referent viel Zustimmung. Der Zusammenbruch des neoliberalen Finanzkapitalismus biete, so die Meinung der Versammlung, auch die Chance, das Sozialstaatsgebot unseres Grundgesetzes wieder mehr in den Vordergrund zu stellen.

 

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Roger Podstatny

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